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Modellierung des Zinses - hamma13 - 01.03.2018 11:23

Ich muss gestehen, ich kann die Zinsmodellierung in AR nicht nachvollziehen.

In meinen Staaten Mali und DDR Test State liegt der Nominalzins

- definiert als "durchschnittlicher Zins für Kredite" und als "Mittelding aus Leit- und Marktzins"; das macht keinen Sinn: der Marktzins ist der durchschnittliche Zins für Kredite -

seit geraumer Zeit bei 1,00%.

Mali hat ein Guthaben iHv 55,41 Mrd. (Guthabenquote: 4,89% des BIP) und Zinseinnahmen iHv 1,28 Mrd./Jahr, dh der Zinssatz liegt bei 2,31% p.a.

DDR Test State hat Staatsschulden iHv 106,43 Mrd. (Schuldenquote: 8,76% des BIP) und Zinsausgaben iHv 5,65 Mrd./Jahr, dh der Zinssatz liegt bei 5,31% p.a.

1. Wie kann das sein? Müsste es nicht andersherum sein: Der (finanziell solide) kreditnehmende Staat bekommt aufgrund seiner Bonität einen (niedrigeren) Zins unterhalb des Marktzinses, der kreditgebende/investierende Staat den (höheren) Marktzins?

2. Zudem liegen beide Zinssätze - deutlich - unter der Inflationsrate (Mali: 7,82% p.a.; DDR: 8,23% p.a.), dh in beiden Staaten sind die Kreditgeber nach Rückzahlung des Kredits (samt Zinsen) real ärmer als vor seiner Auszahlung.


RE: Modellierung des Zinses - MrProper - 01.03.2018 12:07

hamma13 Wrote:
1. Wie kann das sein? Müsste es nicht andersherum sein: Der (finanziell solide) kreditnehmende Staat bekommt aufgrund seiner Bonität einen (niedrigeren) Zins unterhalb des Marktzinses, der kreditgebende/investierende Staat den (höheren) Marktzins?

Das liegt daran, dass Ars Regendi Staaten ihre Guthaben bei Banken einlagern, bzw. bei Banken Kredite aufnehmen um ihre Verbindlichkeiten zu bedienen. Da diese gewinnorientiert arbeiten, ist der Zinsatz bei Krediten natürlich höher als bei Guthaben. Zahlungen zwischen Staaten in Form von Geldgebern/Geldnehmern gibt es in Klassik pauschal nicht, indirekt aber sehr wohl in Welten in Form des Bündnisbeitrags und der Zahlungsfunktion. (Wobei die Spieler hier natürlich sehr viel Freiheit in der Ausgestaltung, bzw. Verwendung haben)

hamma13 Wrote:
2. Zudem liegen beide Zinssätze - deutlich - unter der Inflationsrate (Mali: 7,82% p.a.; DDR: 8,23% p.a.), dh in beiden Staaten sind die Kreditgeber nach Rückzahlung des Kredits (samt Zinsen) real ärmer als vor seiner Auszahlung.

Gut erkannt. Diese Möglichkeit ist sehr praktisch um den eigenen Staat zu entschulden, weswegen man für gewöhnlich selten Beschwerden darüber liest.

Der Leitzins wurde nach unten irgendwann mal auf 1% begrenzt, weil das Verhalten bei noch niedrigeren Werten zum Teil sehr unrealistisch wurde. Insofern sind deine beiden Staaten in diesem Bereich ohnehin an der Untergrenze. Nimmt der Staat jedoch weiter Schulden auf, zieht der Zinssatz (und somit auch der Nominalzins) immer weiter an.


RE: Modellierung des Zinses - Malone - 03.03.2018 20:38

Quote:
Der Leitzins wurde nach unten irgendwann mal auf 1% begrenzt, weil das Verhalten bei noch niedrigeren Werten zum Teil sehr unrealistisch wurde. Insofern sind deine beiden Staaten in diesem Bereich ohnehin an der Untergrenze. Nimmt der Staat jedoch weiter Schulden auf, zieht der Zinssatz (und somit auch der Nominalzins) immer weiter an.


Was sich, wie sich nun in Realität zeigt, wiederum als unrealistisch herausgestellt hat. Der Negativzinssatz war - in aller Bescheidenheit - keine schlechte Antizipation, hat aber leider zu mathematischen Verwerfungen in der Matrix geführt.


Quote:
1. Wie kann das sein? Müsste es nicht andersherum sein: Der (finanziell solide) kreditnehmende Staat bekommt aufgrund seiner Bonität einen (niedrigeren) Zins unterhalb des Marktzinses, der kreditgebende/investierende Staat den (höheren) Marktzins?


Der Kreditnehmer zahlt doch immer einen höheren Zins, als der Kreditgeber erhält. Auf dein Sparbuch bekommst du derzeit vielleicht noch ein Prozent, aber wenn du einen Kredit willst, musst du gut vier Prozent kalkulieren. Oder verstehe ich da jetzt was falsch? Kopfkratz

Quote:
2. Zudem liegen beide Zinssätze - deutlich - unter der Inflationsrate (Mali: 7,82% p.a.; DDR: 8,23% p.a.), dh in beiden Staaten sind die Kreditgeber nach Rückzahlung des Kredits (samt Zinsen) real ärmer als vor seiner Auszahlung.


Auch das ist doch keinesfalls ungewöhnlich Kopfkratz


RE: Modellierung des Zinses - hamma13 - 03.03.2018 22:30

Malone Wrote:

Quote:
1. Wie kann das sein? Müsste es nicht andersherum sein: Der (finanziell solide) kreditnehmende Staat bekommt aufgrund seiner Bonität einen (niedrigeren) Zins unterhalb des Marktzinses, der kreditgebende/investierende Staat den (höheren) Marktzins?

Der Kreditnehmer zahlt doch immer einen höheren Zins, als der Kreditgeber erhält. Auf dein Sparbuch bekommst du derzeit vielleicht noch ein Prozent, aber wenn du einen Kredit willst, musst du gut vier Prozent kalkulieren. Oder verstehe ich da jetzt was falsch? Kopfkratz

Wir vllt, aber Staaten geben in aller Regel Staatsanleihen aus, wenn sie sich fremdfinanzieren wollen. Und Überschüsse kommen nicht auf's Sparkonto, sondern werden in Staatsfonds professionell verwaltet (zB Norwegen und andere Ölländer, aber auch China).

Malone Wrote:

Quote:
2. Zudem liegen beide Zinssätze - deutlich - unter der Inflationsrate (Mali: 7,82% p.a.; DDR: 8,23% p.a.), dh in beiden Staaten sind die Kreditgeber nach Rückzahlung des Kredits (samt Zinsen) real ärmer als vor seiner Auszahlung.

Auch das ist doch keinesfalls ungewöhnlich Kopfkratz

Das ist völlig außergewöhnlich, selbst heutzutage. Und soweit ich weiß nur bei japanischen Staatsanleihen und Anleihen der EURO-Länder der Fall. Kann mir nicht vorstellen, dass es ein Entwicklungs- oder Schwellenland gibt, das in der Lage wäre, Anleihen zu einem Nominalzins unter der erwarteten Inflationsrate zu platzieren.


RE: Modellierung des Zinses - Malone - 03.03.2018 22:44

Zu beiden Kommentaren: So feine Unterscheidung können wir hier nicht treffen Noplan


RE: Modellierung des Zinses - TheLastShah - 04.03.2018 00:01

hamma13 Wrote:
1. Wie kann das sein? Müsste es nicht andersherum sein: Der (finanziell solide) kreditnehmende Staat bekommt aufgrund seiner Bonität einen (niedrigeren) Zins unterhalb des Marktzinses, der kreditgebende/investierende Staat den (höheren) Marktzins?


Woraus soll dieser Zins erwirtschaftet werden? Du erwartest, dass kreditnehmende Staaten im Schnitt einen niedrigeren Zins zahlen, als kreditgebende Staaten erzielen? Du weißt schon, dass das Staatsguthaben, wenn es nicht durch einen Staatsfond investiert wird (das ist in ars-regendi nicht der Fall!) nur auf einem Tagesgeldkonto liegt. Der Zins dieses Tagesgeldkontos hängt von dem Leitzins ab. Daher ist der geringe Zinsgewinn absolut realistisch, wenn nicht sogar viel zu hoch kalkuliert. Anders wäre es, wenn wir eine Aufgabe zu einem Staatsfond hätten, aber selbst dann wäre jeder über den risikofreien Zins erzielte Zinsgewinn direkt mit einem zusätzlichen Risiko verbunden. There is no free lunch.

hamma13 Wrote:

Malone Wrote:

Quote:
2. Zudem liegen beide Zinssätze - deutlich - unter der Inflationsrate (Mali: 7,82% p.a.; DDR: 8,23% p.a.), dh in beiden Staaten sind die Kreditgeber nach Rückzahlung des Kredits (samt Zinsen) real ärmer als vor seiner Auszahlung.

Auch das ist doch keinesfalls ungewöhnlich Kopfkratz

Das ist völlig außergewöhnlich, selbst heutzutage. Und soweit ich weiß nur bei japanischen Staatsanleihen und Anleihen der EURO-Länder der Fall. Kann mir nicht vorstellen, dass es ein Entwicklungs- oder Schwellenland gibt, das in der Lage wäre, Anleihen zu einem Nominalzins unter der erwarteten Inflationsrate zu platzieren.


Du beachtest die Relationen nicht. Nahezu alle Staatspapiere der Welt haben einen negativen realen Zins, was aber auch kein Problem ist (Zinsen können nur im Verhältnis zu Produktivitätsgewinnen der Gesamtwirtschaft gezahlt werden; es gibt einen Überschuss an Finanzkapital, das angelegt werden möchte; risikofreie Investitionen dürfen keinen realen Zins erwirtschaften). Die Bondmärkte von Entwicklungsländern sind extrem klein und völlig irrelevant für das Finanzsystem. Es gibt kaum Anleger, die überhaupt Non-IG-Bonds erwerben dürfen, auch daher funktionieren diese Märkte auch nicht richtig (mangelnde Liquidität, schwache Informationseffizienz etc.) und die Preisbildung ist eher erratisch (und führt abgesehen davon zu selbsterfüllenden Prophezeiungen, wenn die Zinsen die folgenden Produktivitätsgewinne übersteigen, wenn es diese überhaupt gibt und die Kredite nicht aufgrund fehlender staatlicher Strukturen völlig versanden) [...] Man kann das System in ars-regendi überarbeiten, vielleicht indem man ein Rating als neue Statistik implementiert, welches die Zinskosten verändernt

Rating und Zinskostenfaktor:

AAA: 0,3
AA: 0,5
A: 0,7
BBB: 1,0 - Grenze Investment-Grade
BB: 1,3
B: 1,7
CCC: 2,0
CC: 2,3
C: 2,7
D: 3 - Nach Einführung der Währungsreform


Oder man macht das noch einfacher über einen Staatenklassenfaktor:

SM: x0,5
IM: x0,7
RM: x1
SL: x1,5
IL: x1,3
PK: x1,4
FL: x1,8
EL: x2

- Man beachte nur: Auch wenn die Simulation so realistischer wird, macht man schwere Staatenklassen dadurch nur noch schwieriger. Einen so großen Mehrwert sehe ich daher nicht, über ein Staatenrating würde ich mich aber freuen Hehe